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Im Gespräch mit Maja Walther
 
Samtens. (RO) 1991 als „Pferdeboutique" eröffnet, wurde das Fachgeschäft von Maja Walther schnell zu einer von zwei guten Adressen für Roß und Reiter auf Rügen. Wir sprachen mit der Inhaberin über ihr Unternehmen.
 
Maja Walther im Interview
Maja, seit wann gibt es Deine Pferdeboutique und wie kam es zu Ihrer Entstehung?
Maja: Begonnen hat alles am 2.1.1991 – und die Idee? Ich bin eigentlich mit Pferden aufgewachsen, reite seit dem 6. Lebensjahr und habe schon immer ´was mit Pferden zu tun gehabt - als Argrariningenieur für Pferdezucht und Sport, aktive Turnierreiterin und FN-Fachberaterin für Ausrüstung. Auch für mich stand ja nach der Wende die Frage, wie es weiter gehen soll. Und der Bedarf an Pferdeausrüstung war vorhanden. Also fing ich damals mit fast nichts an.
Wie sieht Deine Angebotspalette heute aus? Was gibt es alles?
Maja: Alles für Roß und Reiter: Also vom Hufkratzer bis zum Markensattel und in allen Preisklassen. Auch Stallbedarf, Futtermittel oder die Reinigung von Pferdedecken werden nachgefragt... Und natürlich die gesamte Palette für Freizeitreiter oder ambitionierte Turnierreiter.
Wer kauft bei Dir ein?
Maja: Meine Kunden sind vor allem Einheimische, daneben natürlich Urlauber und von diesen Stammurlauber, die jedes Jahr auf der Insel sind. Kurzum: Jeder der ein Pferd hat oder mit ihnen arbeitet – Reiter, Züchter, Fahrer, Pferdeliebhaber – aber auch Leute, die gar nichts damit zu tun haben...
Wie kann man das verstehen?
Maja: Nun die kaufen die Pferdesalbe – die Salbe mit dem roten Deckel – gegen Gelenkschmerzen.
Was wird denn am Meisten nachgefragt?
Maja: Die Ausrüstung von Pferd und Reiter. Reithosen, Reitstiefel und Putzzeug... Wobei ich persönlich Reithosen am Liebsten verkaufe, weil ich da über ein sehr großes Sortiment verfüge.
Nun rückt Weihnachten immer näher – was empfiehlst Du, wenn man einen Reiter oder eine Reiterin beschenken will?
Maja: Mit einem Geschenkgutschein liegt man eigentlich immer richtig. Unsere Kunden  kaufen aber auch praktische Sachen, wie Reitgerten, Helme, Hosen oder Trensen fürs Pferd. Kindern kann man mit Spielzeugpferden - die gerne gesammelt werden - oder Büchern eine Freude machen.
Wie zufrieden bist Du mit der zurückliegenden Saison und was wünscht Du Dir für die Zukunft?
Maja: Ich bin eigentlich zufrieden, denn es wird wieder verstärkt gekauft. Das schlechte Strandwetter hatte dieses Jahr auch manchen Neukunden gebracht. Es wäre schön, wenn die gute Kaufstimmung uns auch für 2008 erhalten bleibt.
 
Ein Bericht von T. Seegert
 
Putbus. (RO) Fröhlich pfeifend zieht sich der „Rasende Roland“ durch einer der reizvollsten Landschaften der Insel Rügen. Urlauber halten mit Fotoapparaten fast jede seiner Regungen fest. Wie viele Fotos wohl in den über hundert Jahren von ihm gemacht wurden? Niemand weiß es genau. Doch beim Betrachten der Fotos erinnert man sich an den Geruch des Dampfes - der in die Nase stieg-, den unruhigen Lauf der Räder auf den Schienen oder an die großen Kinderaugen der kleinen Fahrgäste. Vielleicht träumten sie sich in den wilden Westen zu Winnetou und Old Shatterhand? – Eisenbahnromantik!
Zwei Züge - ein Ziel: Putbus (Foto: S. Seegert)
Als 1892 das preußische Kleinbahngesetz erlassen wurde, geschah dies jedoch aus rein wirtschaftlichen Gründen. Denn auch damals ging es schon um die Frage, wie man mit geringen Kosten landwirtschaftliche Produkte von A nach B transportiert. Weit bevor Benzin- und Dieselschluckende Gefährte die Straßen und Landwege eroberten, entstand in der pommerschen Agrarprovinz binnen weniger Jahrzehnte das dichteste Kleinbahnnetz des Deutschen Reiches.
Die Vorteile lagen auf der Hand: Die weit geringeren Spurbreiten ermöglichten gegenüber der Normalspur engere Kurvenradien, leichtere Fahrzeuge und geringere Transportkosten. Auf  600 mm, 750 mm und 1000 mm Spurbreite schnauften fortan in Vor-, Mittel- und Hinterpommern kleine emsige Dampfrösser durch die Lande.
Einige von Ihnen sind noch heute bei der „Rügenschen Kleinbahn“ zu bestaunen. Allerdings werden sie hier liebevoll „Rasender Roland“ genannt. - Ein Name der sich mit der  atemberaubenden Geschwindigkeit von 25 bis 30 km/h erklärt und während der Fahrt zum Blumenpflücken einlädt.
Die „Rügensche Kleinbahn“ ist die letzte Kleinbahn Vorpommerns. Während der größte Teil der Kleinbahnen den Reparationen nach dem zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel und die restlichen Strecken in den 60er Jahren aus Kostengründen stillgelegt wurden, verdankt der „Rasende Roland“ sein Überleben einigen Glücksfällen und immer wieder engagierten Eisenbahnfreunden.
Ein Sachse und zwei Stettiner - Zur 90-Jahr-Feier präsentieren sich die
Stettiner Vulkan-Loks 994633-6 (links) und 994632-8 (rechts) sowie
mittig die Sachsen-Lok 991782-4 (Mitte) (Foto: Bruno Schmidt)
Nachdem alles euphorisch am 22. Juli 1895 auf ganzen 10,85 km - einer Strecke vom kleinen Residenzstädtchen Putbus zum Ostseebad Binz – begann und diese bis 1899 auf 97,3 Kilometern ausgebaut wurde, erreichte die „Rügensche Kleinbahn“ ihre ausgesprochene Blüte um 1911. Nach Verkehrseinschränkungen von etwa 30% im ersten Weltkrieg folgen die Jahre der Inflation. Durch den allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang und die sinkenden Verkehrsleistungen erreicht auch die Kleinbahn 1923 ihren absoluten Tiefpunkt. Schon zuvor kam es 1920/21 beispielsweise zu Fahrplaneinschränkungen wegen Kohlemangels oder Rückgängen im Gütertransport durch die wachsende Konkurrenz der Reichspost. Allein durch ihre landwirtschaftlichen Nutzer, die den Fehlbetrag von 1 072 447 426,34 Mark - das entsprach etwa 27.000 Goldmark – ausgeglichen hatten und durch die Änderungen des Handelsgesetzbuches erübrigte sich eine Konkursanmeldung. Das auf und ab – begleitet von schlechten Erntejahren – prägte lange Zeit auch danach die Jahre bis zur Weltwirtschaftskrise. Ein erneuter Tiefpunkt war 1932 erreicht. Erst dann konnte die „Rügensche Kleinbahn“ mit Mühe wieder aus den roten Zahlen fahren. Parallel dazu bemühte sich der Staat um einen Zusammenschluss aller pommerschen Kleinbahnunternehmen. Diese wurde am 1. Januar 1940 letztlich durch die Gründung der pommerschen Landesbahnen als Körperschaft des öffentlichen Rechts vollzogen. Damit war auch die Eigenständigkeit aller Kleinbahnen in Vorpommern beendet.
Der Heizer bestückt den Kessel (Foto: Anders M. Jansson)
Nur fünf Jahre später entgeht die „Rügensche Kleinbahn“ ihrer Stillegung. Andere Unternehmen, wie die Anklam-Lassaner Kleinbahn, die Kleinbahn Casekow-Penkun-Oder, die Kleinbahn Greifswald-Wolgast, die Greifswald-Jarmener Kleinbahn und die Demminer Kleinbahn können sie nicht abwenden. Doch auch auf Rügen hat man mit den  Kriegsfolgeschäden zu kämpfen. Es gibt wieder keine Kohle um den Betrieb erneut in Gang zu setzen. Zeitzeugen berichten später, dass man nur mit Holz die Dampfrösser wieder in Gang setzen konnte. Für 38 Kilometer benötigte man aber bis zu 24 Stunden. – Doch die Bahn fuhr wieder!
Am 1. April 1949 wurden die „Rügensche Kleinbahn“ zusammen mit den verbliebenen  Kleinbahnen, die nicht als Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut wurden, Bestandteil der Deutschen Reichsbahn. Doch seit 1958 ereilte auch dort das große Sterben die Kleinbahnen. Auf  Rügen erfolgte nach wirtschaftlichen Untersuchungen der Beschluss zur schritt weisen Betriebseinstellung auf sämtlichen Strecken. Begonnen wurde 1967 mit der Stillegung der Strecken Altefähr - Putbus. Es folgten 1968 die Strecken Fährhof – Altenkirchen und 1970 die Strecke Bergen – Wittower Fähre. Der letzte Schritt zur Stillegung der Schmalspurbahnen auf der Insel Rügen war für das Jahr 1976 vorgesehen. Aber: In letzter Minute retteten „neue Ansichten zur Pflege des kulturellen Erbes und zur Erhaltung von Denkmalen der Produktions- und Verkehrsgeschichte“ die Bahn vor der Betriebseinstellung.
Der kleine Lokführer (Foto: Anders M. Jansson)
Das Bekenntnis zum „Rasenden Roland“ war richtungsweisend. So wurde ein Traditionsbereich für die  Schmalspurbahn auf dem Bahnhofsgelände von Putbus geschaffen, der Oberbau der Strecke Putbus – Göhren erneuert und die bis zu 70 Jahre alten Reisezugwaren rekonstruiert.
Werfen wir noch einen kurzen Blick in den Lokomotivpark: Farbig fallen neben der „blauen“ Heeresfeldbahnlokomotive „Nicki+Frank S“ vor allem die „grünen“ Stettiner Vulcan-Lokomotiven  auf. 1913 und 1914 wurden die beiden ersten vierachsigen Loks der Gattung „M“ geliefert. Sie hatten erstmalig seitenverschiebbare Achsen die für eine bessere Bogenläufigkeit sorgten. 1925 erfolgte die Lieferung einer dritten Schwester-Lok. Bei der Deutschen Reichsbahn (DR) liefen sie unter den Nummern 99 4631, 99 4632 und 99 4633. Während die erste zum Zwecke der Devisenbeschaffung zu DDR-Zeiten nach Lehrte verkauft wurde, kamen die anderen beiden Vulcan – Dampfrösser 1992 nach einer Rekonstruktion in ihrer markanten scharz/grünen Originalanstrich wieder. Sie tragen seither die alten Nummern „52 Mh“ und „53Mh“.                  
Achja, nach der Wende 1989 gab es natürlich so manchen Betreiberwechsel – begleitet vom wirtschaftlichen Auf und Ab. Bleibt zu hoffen, dass der „Rasende Roland“ auch weiterhin den Wirren einer schneller gewordenen Zeit trotzt, auch wenn er – wie Eisenbahnromantiker meinen – der „letzte der Mohikaner“ ist...
 
Ein Beitrag von T. Seegert
 
Rappin. (RO) Auf dem Rücken der Pferde können Urlauber und Rüganer die Insel neu für sich entdecken: Alles ist ganz anders. Das ergibt sich nicht nur aus der Perspektive – man sitzt ja auf einem Pferd. Auch der Blickwinkel ist ein anderer. Abseits von den Hauptstrassen erschließt sich ein weit verzweigtes Reit- und Fahrwegenetz.
Vieles hat sich verändert. Während die Großeltern noch mit Pferd und Pflug den Acker bearbeiteten oder zum Tanz mit einer Kutsche in die Kreisstadt Bergen fuhren – ist heute das Auto unser ständiger Begleiter. Die Welt ist schneller geworden. Zufriedener ist sie sicher nicht. Etwas fehlt. Vielleicht das Pferd? Wer sich auf einen der vielen Rügener Reiterhöfe begibt, erkennt schnell, daß es längst wieder auf dem Vormarsch ist. Nicht im Alltag, sondern im Freizeitbereich. Denn heute können sich auch Normalverdiener Reitstunden leisten.
Ausritt am Strand (Foto: Steffen Waak)
Und so drängen immer mehr Späteinsteiger in die Reitschulen. Der durchschnittliche Anfänger ist oft etwa um die 30, wünscht wenig  Theorie, wenig Kringel reiten und möglichst bald den Ausritt ins Gelände. Die Ursache ist schnell zu erklären: Historien-, Mantel- und Degenfilme zeigen ja ein eher romantisiertes Bild. Und alles sieht so leicht und elegant aus. Was liegt da also näher als aufs Pferd zu steigen und durch die traumschöne Landschaft oder an den Stränden der Insel  Rügen entlang zu galoppieren? Doch so einfach ist es eben nicht. Wer das erste Mal mit Mitte 30 auf ein Pferd steigt, weiß, wovon die Rede ist. Plötzlich sitzt man also in luftiger Höhe, ist nervös – was völlig normal ist – und der gerade eingenommene Sitzplatz beginnt auch noch zu schwanken. Dabei befindet man sich erst im Schritt. Doch keine Angst, jeder der heute Reiten kann, kennt diesen Anfang. Und die Reitlehrer auf Rügen wissen natürlich, dass dieses mulmige Anfangsgefühl letztlich nach wenigen Stunden weicht. Der Spaß am reiten beginnt. Aber die Erkenntnis ist: Ich sitze auf einem lebendigen Wesen. Und: Von diesem kann ich jede Menge lernen...
"Reiten ist Selbstfindung..." (Foto: Steffen Waak)
Während wir uns über Vergangenes zergrübeln, lebt das Pferd, unter uns, in der Gegenwart. Es handelt instinktiv. Das Pferd kennt die Tageszeit – auch ohne Uhr. Das konnten wir Menschen auch einmal, aber der „Fortschritt“ und die Technik haben uns abhängig gemacht und verändert. Also beginnen wir wieder in der Gegenwart. Das heißt die rechtzeitige Wahrnehmung unserer Umwelt und die entsprechende Reaktion, denn unser Pferd erwartet eine klare Führung. Auch etwas, was uns im Alltag wegen fauler Kompromisse verloren gegangen ist. Schon bald wird klar: Reiten ist Selbstfindung. Man erkundet nicht nur die Insel, sondern auch sich selbst. Ich erkenne meine Schwächen und benötige auf dieser  Reise das absolute Vertrauen zu meinem Pferd. Carolyn Resnick, die Autorin von die „Tochter des Mustangs“, drückt das - einfach aber verständlich – so aus: „Wir arbeiten mit dem Pferd so, wie mit einem kleinen Kind: respektvoll, mit Humor und mit Klarheit. Anfangs liegt das Hauptaugenmerk darauf, dass sich eine Bindung entwickelt. Ich entwickle eine Gemeinschaft.“ Denn auch das sollte ich wissen: Pferde sind gesellige Tiere. Ein Grund, warum sie bei einer Einzelhaltung schnell Langeweile und Untugenden entwickeln. Tja, und dann ist da etwas... Also jeder kennt den Film „Der Pferdeflüsterer“. Und auch das gibt es. Das mag unverständlich klingen, aber man sollte sich regelmäßig mit Pferden unterhalten. Das fördert den Kontakt und man wird bereits an der Stimme erkannt.
 
Ausritt bei "Wanderreiten auf Rügen" (Foto: Steffen Waak)
Doch zurück zum Reiten. Was sollte der zukünftige Reitanfänger mitbringen? Neben der zuvor beschriebenen Einsicht für seinen tierischen Freund und Partner  sollte er über ein wenig Balance und Koordination verfügen. Das findet man schnell selbst heraus. Stellen sie sich einfach 20 Sekunden auf ein Bein (Ein-Bein-Stehtest). Wenn es damit noch nicht klappt, bleibt ja immer noch eine Kutschfahrt. Und auch die sind auf Rügen nicht ohne Reiz. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Fahrt um den „Tetzitzer See“ oder am Rügischen Bodden entlang?              
Übrigens, wenn auch ihr Kind einmal reiten möchte, dann gibt es im Alter zwischen vier und acht Jahren die Möglichkeit einer spielerischen Annäherung an das Pferd. Dazu können Schnupper-kurse beitragen, wo der Nachwuchs einen Einblick in die Pflege, Fütterung und den Umgang mit Pferden erhält. So lässt sich auch für die „kleinen Piraten“ und „Draufgänger“ schnell erkennen, daß Pferde kein Spielzeug sind und als eigenständiges Wesen respektiert werden wollen. Interessant: Kinder die von Beginn an auf Pferden Reiten lernen, verfügen über ein besseres Körpergefühl, Sitz und Balance.
Na, sind Sie nun auch schon aufs Pferd gekommen?  Dann schauen Sie doch mal bei einem der Reiterhöfe unserer Insel vorbei. Vielfach können Sie vor Ort auch gleich eine Unterkunft buchen.
 
(Beitrag für das Urlaubermagazin "á la carte")