View project Read more
Triathlet Christian Nitschke (Foto: Nils Peter Binder)
Im Gespräch mit Christian Nitschke
 
Binz. (RO) Christian, Triathlon - als Mehrkampf der Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen – stellt eine große Herausforderung an sich selbst dar. Wie bist Du dazu gekommen?
CHRISTIAN - An meinem ersten Triathlon habe ich eher zufällig teilgenommen. Vor genau 10 Jahren war ich mit meinem Abi fertig und ein Freund erzählte mir von einem Jedermann Triathlon in der Nähe von Rostock. Also sind wir da hingefahren und es hat mir ziemlich viel Spaß gemacht. Dann kam eins zum anderen. Ich habe hier und dort noch ein Rennen gemacht und so kam es, dass man mich ansprach, ob ich nicht einem Verein in Rostock beitreten möchte. So ging es dann Stufe für Stufe weiter. Bei dem bekannten Rennen in Roth – das ist dann Stufe für Stufe weiter. Bei dem bekannten Rennen in Roth – das ist über die Distanz des Ironman – wurde ich dann 2009 deutscher Vizemeister meiner Altersklasse und war bereits unter 9 Stunden unterwegs.
Wie ging es dann weiter?
- 2010 bereitete ich mich während meines Studiums erstmals professionell auf ein Rennen vor. Den „Ostseeman“ gewann ich dann mit 2 bis 3 Minuten Vorsprung und stellte sogar einen neuen Streckenrekord auf. Im Anschluss kam der Zweitplatzierte, ein Profi-Triathlet, zu mir und  fragte, ob ich nicht Interesse hätte, in sein Profi-Team zu kommen.
Sind die Übergänge vom ambitionierten Amateur zum Profi denn wirklich so fließend?
- Ja, es funktioniert auf der vollen Triathlon-Distanz aber besser als auf der Hälfte der Strecke, denn da kann man durch viel Training und Fleiß eben noch einiges herausholen. Dennoch betrachte ich meinen  Über- gang in den Profisport eher als Ausnahme.
 
Christian Nitsche beim "Ironman 70.3 Rügen" (Foto: Marcel Hilger)
Was waren denn Deine größten Erfolge?
- Ich starte jedes Jahr beim drittgrößten Rennen, dem „Ostseeman“, auf der Ironman-Distanz. Und den habe ich nun schon fünf Jahre in Folge gewinnen können, worauf ich natürlich richtig stolz bin. Es ist einfach immer wieder schwierig, auf den Tag genau austrainiert und topfit zu sein. Aber ich habe auch in Köln zweimal über die volle Distanz gewinnen können. International wurde ich beim Ironman 70.3 – Rennen in Haugesund Vierter und beim Ironman auf Lanzarote, auf der vollen Distanz, Siebenter.
Nun bist Du viel auf der Welt herumgekommen, hast auch beim ersten Ironman 70.3 Rügen teilgenommen. Wie bewertest Du das Rennen und die Wettkampfstrecke auf der Insel?
- Also als Rostocker war es für mich sehr interessant, weil es alles „vor der Haustür“ stattfand. Dazu kommt, dass meine ganze Familie von der Insel stammt und es so ein Stück weit zu einem echten Heimrennen für mich wurde. Rügen ist auch ein sehr guter Veranstaltungsort. Schwimmen in der Ostsee – auch wenn es 2014 wegen des starken Windes nichts wurde... und es gibt keine langweilige Radstrecke.
Was empfiehlst Du jemanden der sich für den Triathlon als Wettkampfart entscheidet?
Das Training entscheidet und nicht das Material. Die ersten Jahre habe ich auch mit einem 500-Euro-Rennrad erfolgreich Rennen bestritten...
Skadi, nun auch öfter auf Rügen anzutreffen...
Im Gespräch mit: Skadi Siegmeyer

Glowe. (RO) Ein Sonntagabend auf Rügen. Wir treffen uns mit Skadi Siegmeyer, der Vizemeisterin im Kite-Surfen, in der Glower „Ostseeperle“. Die junge Rostockerin ist derzeit beruflich auf der Insel. So nutzen wir die Gelegenheit, um mit ihr ins Gespräch zu kommen...

Wie bist Du zum Kite-Surfen gekommen - der Sportart, bei der die Aktiven mit ihren bunten Schirmen über das Wasser gleiten bzw. fliegen?
Skadi: „Ich habe mit kleinen Lenkmatten am Strand von Warnemünde angefangen und fand es faszinierend, als ich die Kite-Surfer auf dem Wasser gesehen habe. Da sagte ich: Eh, das will ich auch lernen! Also habe ich daraufhin einen Kite-Surf-Kurs besucht und bin seitdem dabei geblieben.“
Was verbindest Du denn speziell mit der Insel Rügen?
Skadi: „Viele gute Surfreviere, eine schöne Kulisse... Platz, Natur und ´ne gute Windausbeute.“
Nun bist Du sonst am Salzhaff unterwegs. Was ist der Unterschied zu den Revieren vor Rügen?
Skadi: „Das Salzhaff ist im Vergleich etwas kleiner und es bietet auch nicht so viele verschiedene Spots, wie die Insel. Hier sind doch sehr unterschiedliche Bedingungen... Also man hat die Wahl zwischen Welle und flachem ruhigeren Gewässer. So kann man – je nachdem, worauf man Lust hat – sehr gut wählen.“  
Und welche Spots würdest Du für die Insel empfehlen?
Skadi: Es gibt ja viele bekannte Spots, wie Suhrendorf, Dranske, Wiek, Mukran oder Thiessow. Also da hat jeder Spot seine speziellen Vorzüge...“
Nun möchtest Du u.a. bei einem Wettkampf in Warnemünde starten. Werden wir Dich trotzdem öfter auf der Insel sehen?
Skadi: Davon ist auszugehen. (lacht)
Dann wünschen wir Dir weiterhin viel Spaß bei Deinem Sport und viel Erfolg im Wettkampf.

https://twitter.com/RuegenOutdoor

 
Im Gespräch mit Karl-Heinz Richter

Bergen. (RO) Diesmal sind wir zu Gast beim ehemaligen Radrennfahrer und mehrfachen deutschen Meister Heinz Richter. Er lebt heute in Bergen auf der Insel Rügen und ist dem Radsport auch weiterhin verbunden.  
Herr Richter, wir haben gelesen, dass Sie ihre sportliche Laufbahn mit Eishockey begonnen haben. Wie kommt man vom Eishockey zum Radsport?
Als Kinder wurden wir von den Schulen immer angehalten sehr vielseitig Sport zu treiben. Und in unserem Dorf, wo ich groß geworden bin, war das eben so, dass dort im Winter Eishockey auf Initiative des Bürgermeisters angeboten wurde, also haben wir Eishockey gespielt. In den Sommermonaten hat man andere Sachen gemacht. Durch die generell gute Berichterstattung von der Friedensfahrt wurden wir dazu angehalten, uns in den Schulen an kleinen Friedensfahrten zu beteiligen und da war ich immer der Beste. So kam ich vom Eishockey zum Radsport.
Nach den DDR-Jugendmeisterschaften wechselten Sie zum SC Dynamo. Wie wichtig war dieser Schritt, um auch sportlich weiter zu kommen?
Das war natürlich der ganz entscheidende Schritt, weil wir ja zu meiner Zeit keine kontinuierliche Förderung hatten. Man musste durch sportliche Leistungen überzeugen, dass der Trainer eines Klubs auf einen aufmerksam wurde. Das konnte man nur, indem man sich an Wettkämpfen beteiligte, die überregional waren. Also deutsche Meisterschaften und da konnten die Trainer eben sehen: Mensch, da kommt einer aus so einer kleinen BSG (Betriebssportgemeinschaft - Anm. d. Red.), da müssen wir uns mal hinterklemmen. Und wenn man dann also angesprochen wurde... Das war dann eine große Ehre.
1967 wurden Sie dann DDR-Meister im Zeitfahren. Wie ging es danach weiter?
Die Jahre verliefen sehr rasant. Im Herbst 1963 bin ich zum Klub gekommen und 1964 war ich schon im Nationalmannschaftskader. Und von da an dann nur noch in der Nationalmannschaft. 14 mal war ich deutscher Meister der verschiedensten Disziplinen gewesen, zwei mal Vizeweltmeister und dann eben auch noch die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1972.
Heinz Richter im Mannschafts-Trikot (Foto: Heinz Richter)
Welche Erinnerungen haben Sie noch an München?
An München gibt es ganz unterschiedliche Erinnerungen. Einmal die sportliche Leistung, dass wir die Silbermedaille erringen konnten. Andererseits waren wir etwas zweigeteilt, denn wir waren auf Gold aus. Aber durch den Umstand, dass das Halbfinale und Finale an einem Abend gefahren wurden... Wir trafen in unserem Halbfinallauf auf die Russen – einen sehr harten Gegner, gegen den wir das Rennen erst auf den letzten 2-3 Metern entscheiden konnten. Danach waren wir total am Ende, aber glücklich, dass wir das Finale erreichten. In dem anderen Halbfinallauf mussten die Westdeutschen gegen die Engländer fahren. Da diese jedoch nach drei Runden einen Reifenschaden hatten und das Rennen so schon nach der Hälfte beendet war, haben die Westdeutschen natürlich nur gelacht. Für sie war das Halbfinale nur ein Warmfahren. Zwar sind wir dann mit großem Kampfgeist in den Finallauf gegangen, aber dort haben letztlich die paar Körner gefehlt. Sonst - so bin ich überzeugt – hätten wir auch den Sieg holen können.
Was wünschen Sie sich für den Radsport auf der Insel?
Ich würde mir schon wünschen, dass es mit dem allgemeinen Sport so weiter läuft. Denn: Radfahren ist einer der gesündesten Sportarten. Den jungen Talenten wünsche ich vor allem viel Durchhaltevermögen.  Talent allein reicht aber nicht. Man muss auch den Willen dazu haben, um das durchzustehen. (Das Gespräch führte T. Seegert)

Noch mit dem Rad auf der Insel aktiv unterwegs: Heinz Richter (Foto: Heinz Richter)

Im Gespräch mit Carolina & Daniel Hermann
 
Viervitz. (RO) Für viele ist schon das Stehen auf zwei Kufen eine Herausforderung, an Tanzen auf dem Eis gar nicht zu denken. Vielleicht ein Grund für diese Faszination, die  Eiskunstlaufpaare bei uns wecken, wenn sie scheinbar mühelos über das Eis auf den heimischen Bildschirm schweben. Wir sprachen mit den Deutschen Meistern im Eistanz Carolina und Daniel Hermann.
Die Geschwister Hermann - Deutsche Meister im Eistanz
Carolina, Ihr seid schon öfter zu Gast auf Rügen gewesen, habt im Winter auch schon mal die Eislaufbahn in Sellin getestet... Was verbindet Ihr mit der Insel? 
Carolina: Mit Rügen verbinden wir in erster Linie unsere Familie. Wenn wir nach Rügen kommen, ist dies für uns immer Urlaub. Egal ob wir nun in Sellin auf dem Eis sind oder einfach nur auf dem Reiterhof in Viervitz. Bei unserer Mutter, unseren kleinen Geschwistern und den Tieren können wir immer abschalten. Wir gehen dann gerne reiten, auch wenn wir das nicht so gut können.    
Daniel, wenn man als Kind den Eistanz als Sport für sich entdeckt, dann muss man viel Ausdauer, Ehrgeiz, Disziplin und Beharrlichkeit besitzen, diesen Weg – auch als Geschwister! - zu gehen, um letztlich international vorne mitlaufen zu können. Was ist rückblickend Euer Geheimrezept an diesem Ziel festzuhalten?  
Daniel: Ein Geheimrezept? Das gibt es wahrscheinlich gar nicht. Dabei haben gutes Essen und Eistanzen schon einiges gemeinsam. Auf jeden Fall ist da die Leidenschaft und das Wissen, dass man immer noch etwas verbessern kann. Rückblickend gesehen würde ich sagen, dass es wichtig ist, dass wir immer zusammen gehalten haben. Klar, Streit gibt es, aber wir können uns immer drauf verlassen, das der andere am nächsten Tag wieder bereit ist an unserem gemeinsamen Ziel weiter zu arbeiten.
Nachdem Ihr in der Saison 2009/2010 als deutsche Nachwuchs-Hoffnung auch an internationalen Wettbewerben teilgenommen habt, musstet Ihr verletzungsbedingt eine Auszeit in Kauf nehmen. Nun seid Ihr mit einem 6. Platz im französischen Nizza beim „International Cup of Nice“ wieder durchgestartet. Wie sehen Eure Ziele für diesen Winter aus?
Carolina: Wir müssen erstmal realistisch bleiben. Es ist schon ein großer Erfolg, dass wir es überhaupt geschafft haben, wieder zurück in die nationale Spitze zu kommen. 
Daniel: Spaß haben und versuchen das Beste aus der Situation zu machen.
Dann wünschen wir Euch alles Gute und drücken die Daumen. 

Mehr Infos:
http://www.hermann-hermann.de/

Der Bob-Pilot Meinhard Nehmer
Im Gespräch mit Meinhard Nehmer
 
Varnkevitz. (RO) Vielleicht geht es Ihnen auch so? Wenn draußen wieder die Temperaturen fallen, verfolgen wir am Fernseher die Live-Übertragungen in den Wintersportarten. Langlauf, Skispringen... Zu den beliebtesten Veranstaltungen zählt aber - wie jedes Jahr - der Bobsport. Kaum zu glauben, dass im Januar 2011 eine der Bobsport-Legenden auf der Insel Rügen seinen 70. Geburtstag begehen wird. Die Rede ist von Meinhard Nehmer. Wir trafen uns mit ihm in Varnkevitz bei Putgarten...
Herr Nehmer – wie kommt eigentlich ein Pommer – ein „Nordlicht" - zum Bobsport?
Meinhard Nehmer: Also, ich habe schon von Kind auf Sport getrieben. Leichtathletik und im Winter den Wintersport... Dann bin ich Kreismeister geworden im Speerwerfen, Keule... Kugel und Diskus – also den Wurfdisziplinen. Und schließlich sogar Bezirksmeister. Aber ich war ja immer nur ein Hobbysportler. Ich habe alleine trainiert auf der Wiese, weil hier oben war ja nichts weiter... Ja, und dann kam die Wehrpflicht. Nach der Grundausbildung bin ich zum ASK (Armee-Sport-Klub - Anm. d. Red.) nach Potsdam gekommen. Da habe ich den Speer geworfen. Doch durch einen Unfall konnte ich dann nicht weiter machen. Und als dann im gleichen Jahr in Oberhof die Sektion Bobsport gegründet wurde und es für mich in der Leichtathletik keine Perspektive mehr gab, meinte mein Trainer: „Mensch, Du bist doch so ein Draufgänger. Versuch es doch mal!" Und da habe ich gesagt: „Na gut, ich kann da ja mal hinfahren..." Entschieden habe ich mich erst einmal für ein Jahr – probeweise. Es lief aber ganz gut. Also, dachte ich bis ´76 und dann wollt ich aufhören. Dann habe ich mich aber noch mal entschieden... – oder überreden lassen (lacht dabei)...
Und wann gab es die erste Medailie im Bobsport?
Meinhard Nehmer: Die großen Erfolge waren natürlich ´76 - das war der größte Wettkampf, nachdem die Europameisterschaften 1975 ausgefallen sind. Aber wir haben auch schon davor gut ausgesehen. Hatten den Tiroler Cup gewonnen. Bei Testrennen den Zweiten und den Dritten gemacht - auch schon gewonnen. Und da haben wir uns natürlich auch was ausgerechnet. Wenn es zur Olympia so läuft, wie die Testwettkämpfe, dann... Ein zweiter oder dritter Platz wäre ja auch gut gewesen. Ja und da haben wir dann gewonnen – im Zweier und Vierer!
"Erfolg im Sport"
Und sie waren der Pilot? Man sagt Ihnen nach – sie wären nie gestürzt...
Meinhard Nehmer: Nein, im Wettkampf bin ich nie gestürzt. Also, ich bin sicher der einzige Erfolgreiche, der nicht gestürzt ist... aber deswegen bin ich nicht traurig (lächelt).
Ist 1976 auch die Erinnerung an die größte Leistung?
Meinhard Nehmer: Größer ist für mich noch ´77 gewesen. Weil die Schweizer damals immer sagten: Naja, auf der Kunsteisbahn... Da solltet ihr mal nach St. Moritz fahren und da hätten wir keine Chance. Und da sind wir dann Weltmeister geworden und waren mit Abstand die Schnellsten. Und Lake Placid (Olympia 1980 – Anm. d. Redaktion) war dann die größte Herausforderung. Denn wenn man dann auf die Vierzig zugeht, es immer wieder Rückschläge gibt und man sich immer wieder aufrafft...
Sie haben damals über Jahre den Bobsport dominiert - haben Sie von sich aus gesagt: Jetzt reicht es - das war´s. Oder hat vielleicht auch Ihre Frau gesagt, warum tust Du Dir das an?
Meinhard Nehmer: Naja, meine Frau hat die Ruhe nicht gehabt und hat auch nicht bei Veranstaltungen zusehen wollen. Und für mich stand fest ´80 ist Schluss. Ich hab mich dann so entschieden und das hat dann auch jeder akzeptiert.
Ihre Erfahrungen haben Sie dann aber noch einmal eingebracht?
Meinhard Nehmer: Ja, ich hab dann noch Geräte und Kufen getestet, während ich des Ingenieur-Studiums in Nordhausen und auch später dann in Altenberg.
 
 
Dann kam die Wende... Viele mussten sich damals noch einmal neu orientieren. Das war ja sicher auch für Sie nicht ganz einfach?
Meinhard Nehmer: Nee, das war nicht einfach, denn eigentlich wollte ja damals vom Sport weg, weil ich dachte, dass ich auch mehr Zeit für die Familie haben wollte und nicht in der Welt umhertingeln. Ja, und dann habe ich dann doch noch einmal angefangen. Ich habe dann ein Angebot von den USA bekommen. Dann habe ich das zwei Jahre gemacht. Und dann meldeten sich die Italiener und dann bin ich nach Italien gegangen. Und dann zwischendurch Deutschland.
So richtig nach Ruhestand hört sich das noch nicht an?
Meinhard Nehmer: War bisher nicht... Aber nun sind es dieses Jahr vielleicht noch einmal 14 Tage und dann soll eigentlich auch Schluss sein. Ich hab ja auch genug zu tun auf dem Anwesen hier, vieles was all die Jahre liegen geblieben ist. Und wenn ich noch einigermaßen vital bleibe, möchte ich mal überall ein bisschen Grund reinkriegen.
Wenn man immer nur kommt und dann wieder weg ist – auf die Dauer ist das auch kein Leben...
 

Olaf Ludwig - erfolgreichster Radsportler (Foto: O. Ludwig) 
Im Gespräch mit Olaf Ludwig

Sellin. (RO) Wir sind für Euch auf der Insel unterwegs, geben Tipps für Veranstaltungen oder  sprechen mit prominenten Gästen der Insel. Diesmal wechselten wir im Vorfeld der Tour d´Allee ein paar Worte mit Olaf Ludwig, einem der erfolgreichsten deutschen Radsportler.   

Olaf, zum ersten Mal fällt am Sonntag, den 17.10.2010, der Startschuss zu einem Jedermann-Rennen im Rahmen der Tour d' Allee in Sellin. Eingeladen wird zum Radfahren auf der Insel Rügen mit Prominenten. Was verbindest Du mit Deiner Teilnahme an dieser Veranstaltung?
Olaf: Ich bin schon mehrmals hier am Start gewesen. Es ist immer wieder schön, ehemalige Sportler zu treffen, aber auch mit den anderen Teilnehmern während der Fahrt locker ins Gespräch zu kommen. Das besondere Flair bei der Fahrt durch die traumhaften Alleen wird nun noch mit der Passage der neuen Strelasundbrücke erweitert. Einfach Klasse und man muß dabei sein.
Nun hat das Thema Doping dafür gesorgt, dass wichtige Sponsoren sich leider auch aus dem Radsport zurückgezogen haben. Darunter leidet natürlich die Nachwuchsarbeit. Welche Möglichkeiten siehst Du diesem Sport wieder zu mehr Unterstützung und Akzeptanz zu verhelfen?
Olaf: Der Radsport ist momentan an seinem Tiefpunkt und die Sponsorenbereitschaft dementsprechend auch. Es darf aber keinen Rundumschlag geben und gerade dem Nachwuchs muß man eine Chance geben. Es werden viele Anstrengungen gegen die Dopingproblemetik im Radsport unternommen, allerdings kommt es kaum beim Zuschauer und Sponsor an.
Erfolgreiche Sportler sind notwendig und eine neutrale Berichterstattung hilft uns auch schon. Für alle Sportarten sollte die Messlatte gleich angelegt werden.
Nun denkst Du, wenn Du von Rügen hörst, sicher nicht nur an die Tour d´ Allee. Was fällt Dir spontan zur Insel ein? Vielleicht hattest Du ja mal ein ungewöhnliches Erlebnis?
Olaf: Die größte Insel Deutschlands mit einer traumhaften Landschaft und viel Wind. Mein bisher einmaliger Besuch auf Hiddensee ist mir besonders in Erinnerung. Bisher war ich leider nur tageweise hier. Das soll sich noch ändern.
Olaf, wir wünschen Dir alles Gute. 
 
Im Gespräch mit Steffi Nerius

Sassnitz. (RO) Wenn ein Sport-Ass und Inselkind, wie Steffi Nerius, einen Weltmeistertitel holt, dann ist das zweifellos etwas ganz Besonderes. Wir sprachen mit der Rüganerin...  
Nun auch Weltmeisterin: Steffi Nerius (Foto: S. Nerius)
Steffi, wie geht es Dir? Natürlich sind wir stolz, dass eine Rüganerin den Weltmeistertitel im Speerwerfen geholt hat, aber es ist nach Deinem Erfolg doch sicher auch etwas anstrengender geworden, oder? 
Steffi Nerius: Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Anstrengender würde ich nicht sagen. Natürlich habe ich nach meinem WM-Titel viele Termine und Anfragen gehabt, aber nach diesem fantastischen Erfolg habe ich das genossen. Ich versuche auch jetzt noch so vielen Anfragen wie möglich gerecht zu werden, was natürlich nicht immer klappt.
Nun haben wir gelesen, dass Du eigentlich mal – recht erfolgreich - mit dem Volleyball begonnen hast. Wie bist Du dann zum Speerwerfen gekommen? 
Steffi Nerius: Ja das stimmt. Ich wollte immer Volleyball spielen und habe das auch erfolgreich getan. Mit meinem damaligen Verein Dynamo Sassnitz wurde ich DDR-Schülermeisterin. Meine Eltern sind beide Volleyballtrainer bei Sassnitz, sie trainierten unter anderem schon Ariane und Constanze Radfan oder auch Ines Pianka. Leider war ich für eine Karriere als Volleyballerin etwas zu klein, so dass ich zur Leichtathletik wechselte. Auch hier war meine Mutter eine große Hilfe, schließlich war sie DDR-Jugendmeisterin im Speerwurf. Schon als Kind habe ich immer gerne geworfen: Steine ins Meer, Schneebälle im Winter und natürlich den Schlagball im Verein: mit 10 Jahren schaffte ich 50m. 
Nun hast Du ja in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Medaillen errungen. Welcher Sieg war Dir denn der wichtigste? 
Steffi Nerius: Mein 1. Platz bei der EM in Göteborg 2006 war schon toll. Aber mein Sieg bei der WM im eigenen Land hat alles übertroffen und war sicherlich der wichtigste in meiner Karriere. Das ich die Goldmedaille im Stadion in Berlin gewonnen habe, war einfach fantastisch.
Steffi, nun steht das Weihnachtsfest vor der Tür. Wie und wo wirst Du es verbringen? Oder besser: Wie kann man sich ein Weihnachtsfest bei Dir vorstellen? 
Steffi Nerius: Wie ich ja schon erzählt habe, hatte ich nach meinem WM-Titel sehr viele Termine und Anfragen, so dass mein Weihnachtsfest nach all dem Trubel sehr ruhig werden wird. Ich werde wohl in Leverkusen bleiben, da ich einfach mal vier Tage entspannen will.
Dann wünschen wir Dir und Deiner Familie ein frohes Fest, einen guten Start ins neue Jahr und vor allem weiterhin viel Erfolg.
 
Im Gespräch mit: Kathrin Stein

Lietzow. (RO) Im September 2008 waren die letzten Läufe zu den Deutschen Meisterschaften im Speedsurfen auf der Insel Rügen. Bei den Damen konnte sich dabei die Rüganerin Kathrin Stein gegen die Konkurenz durchsetzen. Hier das erste Interview nach der Meisterschaft.

Deutsche Meisterin im Speedsurfen: Kathrin Stein
Kathrin, Du bist Deutsche Meisterin im Speedsurfen. Was bedeutet für Dich der Titel?
Kathrin: Sicher ist es schön zu gewinnen und damit die konstante Leistung zu beweisen, aber für mich ist es erst ein Etappensieg…
Welches Ziel strebst Du denn an?
Kathrin: Ich würde gerne den Deutschen Gewässer-Rekord im Speedsurfen knacken. Derzeit liegt er bei 56,36 km/h auf 500 m. Mein gemessener Durchschnittswert liegt bei 52,69 km/h, mein Top-Speed bei 56,63 km/h – das war aber bei den Meisterschaften, wo kapplige Wellen höhere Geschwindigkeit nicht zuließen. Da ich erst seit einem Jahr beim Speedsurfen dabei bin, ist da sicher noch Einiges möglich…
Du machst uns neugierig. Seit wann stehst Du denn überhaupt auf einem Board?
Kathrin:
Angefangen habe ich als Teenager – damals aber noch auf einem Delta-Board, ohne Neoprenanzug und mit einem selbstgebauten Trapez. Ich war lange Zeit Freizeit-Surfer, später kümmerte ich mich erst einmal um meine Familie. Seit einigen Jahren surfe ich aber aktiv mit meinem Sohn Johannes – und seit 2003 bei Regatten. Damals habe ich mir auch den Traum von der eigenen Wassersportschule „Timpeltu“ auf Rügen erfüllt und unterrichte dort selbst.
Schwer alles unter einen Hut zu bringen, oder?
Kathrin:
Für das Training bieten sich gute Bedingungen vor Ort. Aber: wenn Regatten stattfinden, müssen wir uns meist auf Rügen beschränken. Das hat neben zeitlichen auch finanzielle Gründe, denn natürlich muß mit der Wassersportschule auch Geld verdient werden.
Wie sieht es denn mit Sponsoren aus?
Kathrin:
Unterstützung gibt es derzeit vom Windsurf-Club-Rügen. Er übernimmt die Startgebühren. Bei den Veranstaltungen engagieren sich regionale Unternehmen. Das Einzelsponsoring ist dagegen eher schwierig. Gefreut habe ich mich natürlich über ein Werbefoto für das schwedische Magazin „decolife“, wo es auch schon erste Gespräche zu einer Unterstützung gegeben hat. Aber vielleicht ist bei diesem Sport auch die Wahrnehmung – außer bei den regionalen Medien – derzeit noch eher begrenzt und daher noch steigerungsfähig.
Warum bedeutet Dir das Surfen so viel?
Kathrin:
Surfen ist für mich auch Freiheit und Leidenschaft. Man braucht nur seine Ausrüstung und den Wind – läßt den Alltag einfach hinter sich. Hier an der Ostsee gehört es einfach dazu – denn es ist für mich so selbstverständlich, wie beispielsweise das Bergsteigen in den Alpen.
 
Im Gespräch mit Thomas Zaage

Wreechen. (RO) Wer in seinen Wanderungen über die Insel streift, kommt auch immer wieder an den an den traditionell mit Rohr eingedeckten Dächern vorbei. Dieses traditionelle Handwerk der Dacheindeckung prägt die Inseln Rügen und Hiddensee seit Jahrhunderten. Wir sprachen mit Thomas Zaage über sein Handwerk, den verwendeten heimischen Baustoff und die Vorteile die Rohrdächer für Bauherren haben.

Welche Tradition hat das Handwerk des Rohrdachdeckens in der Familie Zaage?
Thomas Zaage:
Die Tradition geht in unsere Familie zurück bis in die Mitte der 50er Jahre. Damals hat Vaddern sein Handwerk beim Rohrdachdecker Otto Koos gelernt und es bis in die Mitte der 90er Jahre ausgeübt. Anschließend habe ich es fortgeführt. Später kam noch mein Bruder mit dazu, bis er 2003 eine eigenständige Firma gründete. Also sind da schon ein paar Jährchen als Rohrdachdeckerei Zaage ins Land gegangen.
Weit über 50 Jahre! Was ist denn heute anders als früher?
Thomas Zaage:
Heute ist Einiges anders geworden. Beispielsweise die Dachstärke: Früher betrug sie 25 cm – heute sind es 30 cm und mehr... Aber die Techniken sind verschieden: Das Dach wird geschächtet, genäht oder geschraubt. Unsere Dächer werden mit Niro-Schrauben und einem anhänglichen Niro-Draht geschraubt. Dabei wird die Schraube direkt in die Dachlatte eingeführt und dann läuft –auch wie bei der alten Technik – oben ein Schacht-Draht. Als man noch keinen Draht hatte, war es in den meisten Fällen ein Haselnuss-Schacht, der in den Wäldern geschlagen wurde.
Und wie sieht es beim Werkzeug aus?
Neben der schon erwähnten Schraubtechnik, gibt es auch noch die Technik mit dem Besteck. Man hat dabei zwei Handwerksteile. Mit dem Einen wird der Draht oben eingefädelt und mit dem Anderen wird der Draht unter der Dachlatte wieder zurückgeholt. Auch die Kellen haben sich geändert. Zu Vadders Zeiten gab es noch eine Holzkelle auf die ein Winkeleisen aufgeschraubt war. Inzwischen arbeiten viele aber mit einer sogenannten „Lochkelle“. Das sind Kellen aus Aluminium, in die Löcher eingefräst sind und mit denen das Dach in seine Form geklopft wird.
Nun reden die einen immer von „Reet“ – die anderen von „Rohr“... Was ist denn eigentlich richtig?
Thomas Zaage:
Also, bei uns heißt das „Rohr“ und in den Altbundesländern sagt man „Reet“ – aber beide Bezeichnungen sind richtig.
In alten Häusern findet man Rohr häufig noch als Putzträger. Heute wird es hauptsächlich für die Eindeckung von Weichdächern verwendet – Welchen Vorteil bietet dieser natürliche und heimische Baustoff?
Thomas Zaage:
Das Rohrdach hat den Vorteil: Im Sommer haben wir unterm Rohrdach ein schönes kaltes Klima. Denn die Erwärmung im Gebäude ist nicht so groß wie beim Ziegeldach, weil das Rohr die Sonne reflektiert. Und im Winter hat es durch die Dachstärke eine Wärmedämmende Eigenschaft.
Typisch für alte Rauchhäuser und neue rohrgedeckte Häuser ist das steile Dach. Warum ist das so?
Thomas Zaage:
Je steiler das Dach, um so länger hält es. Die DIN sagt aus: In jedem Bereich des Daches soll die Neigung 45 Grad betragen. Wer sich aber mal umschaut weiß, dass bei eingebauten Gauben oder kleinen Dachstühle mit einer Sparrenlänge von beispielsweise 6 Metern diese Vorgaben nicht immer eingehalten werden können. Folglich kann das Wasser oft tief ins Dach eindringen. Das verkürzt jedoch die Lebensdauer dieser Dächer.
Wie lange hält denn ein Rohrdach?
Bei Dächern mit einer Dachneigung von 45 Grad - das Wasser kann hier kaum eindringen – wenig Kehlen und wenig Gauben liegt die Lebensdauer in der Regel zwischen 40 und 50 Jahren.
Wird diese traditionelle Bauweise noch gefördert?
Thomas Zaage:
Nicht direkt die Bauweise, aber im Rahmen von Dorferneuerungsplänen sind natürlich auch Rohrdächer förderfähig.
Was wünscht man sich als Rohrdachdecker für sein Handwerk in der Zukunft?
Thomas Zaage:
Jeder Handwerker wünscht sich natürlich eine gute Auftragslage. Und: Das die Zahlungsmoral in Mecklenburg-Vorpommern besser wird.
 
Im Gespräch mit Falk von Wangelin
Ralswiek. (RO) Tausende strömen all abendlich wieder zu den Störtebeker-Festspielen nach Ralswiek. „á la carte“ sprach mit Falk v. Wangelin - einem Urgestein in Sachen Störtebeker – über Störtebeker in Ralswiek, die Festspiele und das Bühnenbild...  
Der Schöpfer der Kulisse: Falk v. Wangelin
Herr v. Wangelin, was verbinden Sie mit Ralswiek?
F. v. Wangelin: Eine lange Periode von Arbeit, die ich hier verbracht habe. Also im künstlerischen Arbeitsabschnitt ist Ralswiek ein ganz wichtiger Punkt.
Wann hat diese Phase begonnen?
F. v. Wangelin: Diese Phase hat damit begonnen, daß ich 1980 / 1981 damals hier Störtebeker in der Fassung von Kuba (gemeint ist Kurt Barthel (1914-1967) Chefdramaturg am „Volkstheater Rostock“) - Anm. von „à la carte“) mit Perten (gemeint ist der Regisseur Hanns Anselm Perten (1917-1985) – Anm. von „á la carte“) zusammen gemacht habe. Das heißt, wir haben sozusagen den Platz damals wieder neu gebaut und ich habe zum ersten Mal also die Gesamtausstattung gehabt: Das ging von Schiffen, über Kostüme und Masken – bis zum Gesamtprojekt... Und wir hatten damals den interessanten Zustand, daß wir im Theater selber einen vollen Spielplan hatten, also wir haben das ganze Jahr produziert – Oper und Operette, was man eben als Stadttheater so machen muß – und diese Störtebeker-Geschichte lief nebenbei (!). Und bei der Dimension, die wir heute ja noch erkennen können, können Sie sich vorstellen, daß dies eine sehr komplizierte Arbeit war. Ich will nicht davon sprechen, wie schwierig es damals war Material zu besorgen. Aber es gab – für mich in der Erinnerung - eine interessante Begegnung: Das waren in Lanken – hier oben in Sassnitz... – da gab es eine Brigade im Forst und die haben die Kulissen gebaut... Die haben sonst trigonometrische Punkte,  Hochstände und ähnliches gebaut – aber Kulisse, das kannten Sie gar nicht. Ich war damals vierzehn Tage dort oben und hab den sozusagen Kulissenbau beigebracht. Und es war total spannend, weil das alles Zimmerleute waren. Und die kamen vom Holz und die hatten unglaublich viel Verständnis für Statik. Die wussten, wo hier so der Wind weht und wie dick man das machen muß, wo wir vom Theater ja immer gewohnt sind leicht zu bauen, damit man das schnell verwandeln kann... Und diese Leute waren unglaublich. – Für mich also eine Riesen-Erfahrung  Ich glaube das war so ein bisschen gegenseitig. Die haben mit einmal Theater geliebt ohne Ende und waren sehr stolz, was sie am Ende dann geleistet haben und das beruhte sehr auf Gegenseitigkeit. Ich mochte die Leute sehr leiden.
Perspektivwechsel (Foto: Katja Dinse)
Das war ja 1980/81. Warum haben damals die „Rügen-Festspiele“ aufgehört?
F. v. Wangelin:
...Damals war ja diese Ölkrise und es wurde in Mukran (der Fährhafen) gebaut. Und für Störtebeker haben ja die Bäckereien der Insel ihre Brötchen und Semmeln gemacht, die Fleischer ihre Bockwürste und die Bratwürste – also die Insel hat ja für diese vielen Zuschauer, die jeden Abend damals hier auftauchten, die Versorgung gewährleisten müssen. Und da haben die gearbeitet und man kann nur an einer Stelle diese herstellen. Und da Mukran war, mit einer Riesenanforderung an Personal... und im Zusammenhang, daß die Busse, die als Zubringer des Publikums nicht mehr zur Verfügung standen – war das erst mal auf Eis gelegt. Wir hätten das in der Tat weiter gespielt und hatten damals auch Projekte wie  „Faust in Ralswiek“ in der Schublade – Wir hatten also eine Idee – den Faust 1 und 2 in einer kompletten - sehr verknappten - Fassung auf die Freilichtbühne bringen...
Wie hat ihr weg dann nach der Wende wieder nach Ralswiek geführt?
F. v. Wangelin: Nach der Wende: Da gab es also viele Unternehmungen, die davon gehört haben, daß hier mal so etwas war und die sich dafür interessierten. Und es gab nicht so sehr viele Leute, die sehr gut Auskunft geben konnten, über das, was damals hier gewesen ist. Und ich war Einer der Wenigen, der dazu gehörte und bin dann nach verschiedenen Interessenten, die sich hier für diesen Platz hier stark gemacht haben, dann bei der Unternehmung mit Herrn Hick dabei geblieben.
Nach den „Rügen-Festspielen“ kamen nun also die „Störtebeker-Festspiele“. Diese sind nun schon seit 15 Jahren sehr erfolgreich. Wie würden sie diese im Rückblick betrachten?
F. v. Wangelin: Zu Anfang stand das immer in Erinnerung mit dem alten Störtebeker. Und selbst die Rüganer haben dann gesagt, daß man das so nicht wiederholen kann. ...Da war auch ein Teil von Ablehnung. Die Startzeit, die Herr Hick hier durchgestanden hat, war sicher sehr schwer. Aber der Ansatzpunkt ist einfach zu haben diesen unglaublichen Ort. Das ist ein besonderer Ort auf der Insel – diese Lage am Bodden – nicht gestört zu sein von irgendwelchen Straßen... Absperrungen müssen passieren und Leute können nachts nicht schlafen, weil geschossen wird... Also dieser Ort ist ein Besonderer. Und die Entscheidung von Herrn Hick – sich zu diesem Ort zu bekennen – ist natürlich sehr klug gewesen, aber es gehört auch unglaublich viel Kraft, Wissen und Durchsetzungsvermögen von dem Vorhaben im Kopf – eine solche Idee zu machen... – das ist ein Wahnsinnsweg... Das es dann auch wirklich wird. Jetzt, wo über Jahre die Unternehmung - Jahr für Jahr erfolgreicher läuft - gibt es viele Stimmen: „Ja, das ist ja ganz einfach auf Rügen – das zu machen.“ Aber man darf nicht vergessen, daß der Anfang sehr schwer und sehr hart und auch wirtschaftlich sehr eng war. Es hätte auch anders kommen können...
Also, wir sind dem Publikum dankbar, das es so die Treue hält. Wir haben ja auch Besucher, die ständig kommen – das geht ja über Generationen... Es gibt eine große Breite an Publikum, die jedes Jahr hierher kommen um neue Geschichten um Störtebeker zu sehen.
Woraus schöpfen Sie die Kraft für ihre künstlerische Arbeit? Es ist ja eine Wahnsinns-Kulisse – sagen selbst Leute vom Fach...  mit sehr authentischer Wirkung...
F. v. Wangelin: Das ist erst einmal der Beruf. Man hat das ja über Jahre gemacht. Und nun langsam muß man es ja können. Also wird einem immer wieder etwas Neues einfallen – es muß aber einen Realitätsgrad haben – einen Echtheitsgrad. Das Publikum weiß, wie Backstein aussieht. Die kommen von Stralsund oder fahren dort durch – also einer Stralsundischen Stadtmauer müssen wir Genüge tun und standhalten – vom ästhetischen Anspruch her. Außerdem muß man bei so einer Freilichtbühne – es ist ja anders als im Guckkasten-Theater – man schaut so um die Ecken herum... Alles muß plastisch sein. Im Theater denkt man flacher und die Räumlichkeit erzeugt man durch Licht und Bewegung – Hier steht der Bau dagegen den gesamten Abend über und es gibt ein Proportionsproblem, was einen echten Schwierigkeitsgrad darstellt, denn alles ist bei uns kleiner und kennt nur ein konkurrierendes Maß - den Menschen.
Steht denn eigentlich schon die Kulisse für das nächste Jahr?
F. v. Wangelin: In den ersten Wochen nach der Premiere wird überlegt, was denn nächstes Jahr ein Spielort sein könnte. Ob Stockholm kommt... oder geht Störtebeker schon wieder mal ins Ausland - wir hatten ja schon mal Nowgorod, wir hatten London und Spanien gehabt – also das wird wohl sicher kommen und dieser Zyklus ist ja auf sechs Jahre angelegt und da muß Herr Hick – der ja wohl schon am weitesten gedacht hat – wird dann wohl sagen: „Naja wir könnten folgenden Ort haben...“ Und, also ich brauche nur die Adresse der Orte und dann werden von mir Vorschläge entwickelt, wie der Ort beschaffen sein könnte oder welche dramatische Konstellation könnte sich an diesem Ort entwickeln. Das bedeutet, daß wenn wir mit der Saison zu Ende sind, liegen die Entwürfe für das nächste Jahr vor, denn die Kollegen von der Technik fangen dann im September an abzureißen und vorzubereiten, denn wir bauen ja über den Winter hinweg, so daß zu Mai 2008 die neue Kulisse steht.
Was würden Sie sich wünschen für die Störtebeker-Festspiele?
F. v. Wangelin: Immer so ein treues Publikum. Das die Leute kommen und das sie artikulieren, daß es ihnen gefällt. Das merkt man am Applaus. Und sicher.. Ich glaube wir haben Ideen noch für Jahre , da ist noch einiges drin. Es gibt nichts schöneres als eine künstlerische Arbeit, wenn sie ein Echo findet, wenn sie angenommen wird, wenn sie akzeptiert wird und wenn sie weiter getragen wird.
Dann danken wir für das Gespräch und wünschen den Störtebeker-Festspielen weiterhin viel Erfolg und alles Gute für die Zukunft.    

(Interview v. T. Seegert für das Urlaubermagazin "á la carte")

Im Gespräch mit Thorsten Kohlschmidt

Binz. (RO) Morgens am Binzer Strand: Wir haben uns mit dem Sporttrainer Thorsten Kohlschmidt vom Hotel „meerSinn“ zum Nordic Walking verabredet, um dabei über Bewegung, Sport im Urlaub und die Rückkehr in den Alltag zu sprechen...    

Herr Kohlschmidt, warum sollte man Sport treiben und sich bewegen?
Th. Kohlschmidt: Bewegung ist Leben und alle Lebensvorgänge sind an Bewegung gekoppelt: Das Herzkreislaufsystem, die Atmung, die Verdauung, der Wasserhaushalt und alle Stoffwechselvorgänge werden durch Bewegung geregelt werden. Darum ist es enorm wichtig sich zu bewegen und so diese Lebensvorgänge fit zu halten.
Wer treibt denn eigentlich Sport im Urlaub?
Th. Kohlschmidt: Viele Gäste. – Glücklicherweise. Immer mehr Menschen denken daran, dass die Urlaubszeit auch die Zeit ist, wo man sich aktiv fit halten und seine Leistungsfähigkeit verbessern kann. Und das ist ja dann wieder im Alltag für den Beruf notwendig. So werden viele Gäste im Urlaub auf Rügen auch sportlich aktiv. 
Nordic-Walking - Sport im Urlaub
Mit welchen Erwartungen kommt denn dieser sportlich aktive Gast nach Rügen?
Th. Kohlschmidt: Ich glaube, dass der Gast seine Leistungsfähigkeit, sein Wohlbefinden steigern und seine Gesundheit  erhalten oder verbessern will. Die Insel Rügen bietet mit ihren wunderbaren Stränden, der Ostsee vor der Nase und einer herrlichen Natur die optimale Ergänzung zum Sport. 
Außerdem kann man auf Rügen den Sport speziell mit Kuren koppeln. Bei einer Zielrichtung auf  Entgiftung und Entschlackung wird diese durch die Bewegung zusätzlich unterstützt. Ich mache mit den Gästen dazu Morgengymnastik, Kräftigungsübungen und Nordic Walking am Strand. Daneben kann man aber auch freie Angebote - wie Rückentraining, Yoga oder Entspannungsprogramme - nutzen. Und – auch das ist möglich – hier können Gäste auch im sportwissenschaftlichen Einzeltraining betreut werden. Die individuellen Zielstellungen können z.B. die Herzkreislauf-Aktivierung, die sportliche Beratung, die Trainingsplanerstellung oder Entspannungsprogramme sein, die dann auch über den Urlaub hinaus für den Alltag maßgebend sind.
Das heißt, auf Rügen wird dem Gast auch etwas für die Zeit danach angeboten...
Th. Kohlschmidt: Genau. Bei dieser Form des Urlaubs ist die Hauptzielstellung Anregung und Tipps zu geben. Diese kann man dann auch individuell im Alltag verwerten, denn die Zeit auf der Insel reicht bei weitem nicht aus, um den Körper auf das Optimum zu bringen, das notwendig ist, um den Alltagsanforderungen gerecht zu werden. Ziel des sportlich aktiven Gastes ist es ständig und regelmäßig etwas für seine Gesundheit und Fitness zu tun. 
Welche Übung könnten sie denn unseren Lesern für den Alltag empfehlen?
Th. Kohlschmidt: Ich empfehle zum Stressabbau immer ein moderates Ausdauertraining. Dafür sollte man zwei bis dreimal in der Woche eine halbe Stunde vorsehen. Ansonsten kann man natürlich gegen Büroverspannung, schlechte Haltung und damit verbundene Beschwerden Dehnungsübungen, Stretching, Lockerungs- und Kräftigungsübungen empfehlen. Dafür benötigt man etwa zehn bis fünfzehn Minuten...
Kann denn auch schon ein Spaziergang am Strand etwas bewirken...?
Th. Kohlschmidt: Das ist der erste Schritt. Die begonnene und gezielte Bewegung kann dann moderat gesteigert werden - ohne jedoch zu übertreiben. Die Anstrengung sollte aber fühlbar sein. 
Und was mache ich, wenn ich morgen vom Training einen Muskelkater habe?
Th. Kohlschmidt: In jedem Falle eine Pause einlegen. Die Muskeln sind dann mit viel Wärme zu versorgen. Man sollte sich aber nicht massieren lassen, denn ein Muskelkater ist eine Muskelverletzung. Die muss erst einmal ausheilen, damit der Muskel sich in den neuen Strukturen wieder aufbauen kann. Erst dann sollte man das intensive Training fortsetzen.
Dann danken wir für diese ersten bewegten Schritte... 
Th. Kohlschmidt: Gerne.